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DFG-Projekt Sprachauffassungen

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Seminar für Altes Testament/Seminar für Jüdische Studien
DFG-Projekt Sprachauffassungen
06099 Halle (Saale)

Zusammenfassung

„Auffassungen von der Sprache und ihrem Wirklichkeitsgehalt im Alten Testament und bei den ersten Grammatikern des Hebräischen

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft    geförderte Projekt soll in seinem ersten Teil zu einer systematischen Darstellung alttestamentlichen Sprachbewusstseins führen, wie es sich besonders in urgeschichtlichen, weisheitlichen und prophetischen Texten arktikuliert und in den altorientalischen und antiken mediterranen Kontext einordnet. Der zweite Teil untersucht Sprachkonzeptionen der ersten Grammatiker (Massoreten, Rabbaniten und Karäer), die rabbinische exegetische Traditionen mit klassischen philosophischen Begriffen verbanden, die über den Kontext islamischer Hermeneutik vermittelt worden waren.

Mitarbeiter

Projektleiter

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

  • Jasmin Henle (ehemalige Mitarbeiterin)

Zentrale Fragestellungen

Besonders ausführlich wird innerhalb des Alten Testaments im Sprüchebuch das Reden des Menschen thematisiert. In diesen der „Weisheit“ zuzuordnenden Texten, wird vor allem Erfahrungswissen zusammengestellt. Es handelt sich also zuerst um einen eher deskriptiven Ansatz. Aber „Sprichwörter“ sind Beobachtungen oder Vergleiche, die in verschiedenen Situationen anwendbar – also auch generalisierbar – sind und sein wollen. Diese „Übertragbarkeit“ von Aussagen zeigt sich auch in ihrer oft bildhaft-metaphorischen Gestalt.

In Bezug auf das Sprechen des Menschen wird vor allem die Angemessenheit von Inhalt und Form und die große Wirkmacht von Sprache reflektiert. Letzteres führt direkt zu der im Projekttitel gestellten Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt: Wie ist die Wirkmacht der Sprache begründet? Sie wird in den Weisheitssprüchen vor allem als zentrale menschliche Aktionsform angesehen. Wie jede menschliche Handlung hat sie deshalb auch für ihn selbst spürbare Konsequenzen. Sie muss erklärt werden im Kontext des Tun-Ergehen-Zusammenhangs. Ältere Modelle haben diese Vorstellung als quasi materiell gedacht begriffen: Das Wort, einmal ausgesprochen, wäre dann als eine eigenständige Größe zu denken, die unabhängig vom Sprecher wirkt. Demgegenüber kann die weisheitliche Charakterisierung des Menschen und seines Handelns stärker als systemisches Verständnis für innergesellschaftliche Wechselwirkungen zu verstehen sein. Entscheidend ist für diese Deutung, wie stark wörtlich man die verwendete bildhafte Sprache interpretiert.

Der Entstehungsprozess der biblischen Texte kommt erst durch die intensive Arbeit der Massoreten zu einem Abschluss. Mit Massora und den darauf folgenden ersten hebräischen Grammatikern erscheinen die ersten systematischen Beschreibungen der biblischen Sprache. Kontext ihrer Entstehung sind vor allem die Auseinandersetzungen zwischen Rabbaniten und Karäern über die Bedeutung des biblischen Textes. Bei den hier zur Sprache kommenden grundsätzlichen Reflexionen über das Wesen von Sprache – insbesondere der der Offenbarung – werden vor allem zwei Traditionsströme miteinander verbunden: Einerseits klassisch-antike und über den arabisch-islamischen Diskurs rezipierte sprachphilosophische und grammatische Fragen und andererseits die rabbinischen exegetisch-hermeneutischen Konzepte. Beide Traditionen berühren sich in der Frage danach, ob Sprache eher menschlich geprägt (also veränderlich und damit fehlerhaft) oder göttlichen Ursprungs (also kosmisch-ewig und wahr) sei.

Auch die biblischen Texte legen Wert auf den Unterschied zwischen leicht verfälschender, unvollkommener oder mehrdeutiger menschliche Redeweise und der Klarheit oder Reinheit göttlicher Offenbarung (allerdings gerade auch mit einer schwer zugänglichen weisheitlichen „Tiefe“). Der Mensch kann sich dem annähern. Saadja Gaon beurteilt ganz ähnlich den Gebrauch des Hebräischen bei seinen Zeitgenossen von der Norm des biblischen Textkanons her, macht aber gleichzeitig damit deutlich, dass diese Sprache der Offenbarung schon abgeschlossen ist.

Vorarbeiten

  • Johannes Thon, Adams Sprache und die Stimme Gottes. Der Zusammenhang von Sprache und Gottebenbildlichkeit in der Urgeschichte, in: Jürgen Tubach, Armenuhi Drost-Abgarjan und Sophia Vashalomidze (Hrsg.), Sehnsucht nach dem Paradies. Paradiesvorstellungen in Judentum, Christentum, Manichäismus und Islam, Beiträge des Leucorea-Kolloquiums zu Ehren von Walther Beltz, Wiesbaden: Harrassowitz 2010, 49-59

Veröffentlichungen

  • Johannes Thon, Sprache und Identitätskonstruktion. Das literarische Interesse von Neh 13,23-27 und die Funktion dieses Textes im wissenschaftlichen Diskurs, ZAW 121 (2009), 557-576
  • Johannes Thon, Truth, Lie, and Language. An Introduction from a Biblical Perspective, in: id. (ed.), The Claim of Truth in Religious Contexts. Results of an Interdisciplinary Workshop of the Graduate School "Society and Culture in Motion" (Halle/Saale), Orientwissenschaftliche Hefte 27, Halle (Saale) 2009, 1-12
  • Johannes Thon, »Oberfläche« und »Tiefe« als Bildelemente in Weisheitssprüchen über  sprachliches Verhalten, in: Angelika Berlejung und Raik Heckl (Hrsg.), Ex  oriente Lux. Studien zur Theologie des Alten Testaments, Festschrift für Rüdiger  Lux, ABG 36, Leipzig: Evang. Verl.-Anstalt 2012, 333-355
  • Johannes Thon, The Power of (Hebrew) Language: Grammar, Cabbalah, Magic and the Emerging  Protestant Identity, European Journal of Jewish Studies 6 (2012), 105-122
  • Johannes Thon, Giuseppe Veltri und Ernst-Joachim Waschke (Hrsg.), Sprachbewusstsein im Alten Orient, Alten Testament und rabbinischen Judentum, Orientwissenschaftliche Hefte 30, Halle (Saale) 2012

Kongresse und Vorträge

Vortrag auf der Alttestamentlichen Arbeitsgemeinschaft 2008: Johannes Thon "Die Funktion bildhafter Ausdrücke am Beispiel der Begrifflichkeit für Sprache"

24-26. 9. 2009: Jahrestagung der Alttestamentlichen Arbeitsgemeinschaft
"Sprachbewusstsein im Alten Orient und Alten Testament"
ATAG2009Programm.pdf (160,5 KB)  vom 26.06.2009

Vortrag auf dem Symposium "Christian Hebraism and Yissishism until 1900" am 9. Februar 2010: Johannes Thon "The Power of (Hebrew) Language: Grammer, Cabbalah, Magic and the Emerging Protestant Identity"

Vortrag auf dem Kongress "Fixing, Transmitting and Preserving: Early Jewish and Rabbinic Literature in the History of Hebrew Bible", Madrid, September 2010: Giuseppe Veltri »Rabbinic Language Conceptions and Text Transmission«

Vortrag auf dem ESF Exploratory Workshop: "»Convivencia« in Byzantium?", Dublin, Oktober 2010: Johannes Thon: »On the Mystery of Letters: a comparision of the concepts of Sefer Jezirah and the Mysteria litterarum«

2. 12. 2010: Symposium gemeinsam mit dem Leopold-Zunz-Zentrum Halle unter dem Titel »Sacred and Vernacular Languages in Jewish Contexts«


SacredandVernacularLanguagesProgramme.pdf (55,8 KB)  vom 01.04.2011

9. 5. 2012: Gastvortrag von Prof. Dr. Andreas Wagner (Bern): "Von der Sprache zum Menschen. Möglichkeiten der historischen Emotionenanalyse am  Beispiel des Zorns im Alten Testament"

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